Das Leben

Samstag, 09.11.2013

Über die Konditionen meines Lebens kann man sich wirklich nicht im Geringsten beklagen! Ich habe ein zauberhaftes Zimmer und das Haus ist mehr als wunderschön. Zimmmer Zimmer Zimmmer  Der Pool Der Garten Morad und Giselle In der unteren Etage leben die Großeltern der Kinder. Für die Kinder ist das toll und für alle anderen natürlich auch. Sie sprechen Englisch und Arabisch, weshalb ich mit ihnen beide Fremdsprachen gut üben kann. Außerdem lebt da noch Hawza (ganz bestimmt falsch geschrieben!), die Haushälterin der beiden. Sie ist Anfang 20 kommt wie Sifa, die Nanny der Kinder aus Uganda. Sie ist dezent und lustig und es ist immer ein gutes Gefühl, wenn sie umher ist. Auf der nächsten Etage ist die Wohnung von Ahmeds Schwester, die nun natürlich leer ist und außerdem leben Ahmed und Nada dort. Auch unsere Küche und Wohnzimmer sind dort. Ganz oben unter dem Dach leben dann die Kinder, Sifa und ich. Es ist also quasi eine Art 4-Generationen-Haus, was es niemals langweilig werden lässt!

Wir leben in einem der kleineren Compounds des 6.Oct. Mit ca. 80 Häusern. Sehr nah an uns dran ist die riesengroße „Mall of Arabia“ zu der ich schon die ein oder andere Shoppingtour unternommen habe.  (Bilder folgen!)

Nach und nach habe ich alle anderen Aupairs kennengelernt und habe sie alle von Herzen gern. Mit Namen wären das dann Anna (sie ist schon seit anderthalb Jahren hier), Franzi, Christina, Katja (Aus Dänemark) und unser Neuzuwachs Josepha. Alle sind lustig und wir haben bereits einige gemeinsame Abende gehabt. Ich hoffe es wären noch viele mehr. Bei ihnen habe ich definitiv meine 2. Familie gefunden und unbezahlbare Freunde zu denen man immer kommen kann und auf die man zählen kann. Ohne sie wäre das Leben hier trotz all dem Schönen wohl nicht möglich!  Katja, Ich, Christina, Franzi und Anna!

Vor etwas mehr als einem Monat habe ich dann auch mit der Sprachschule beginnen können und das 1. Level bereits erfolgreich abgeschlossen. Immerhin kann ich jetzt sowas wie lesen und mich auch schon etwas verständigen. Ich bin äußerst stolz, aber es bleibt soooo viel zu lernen. Eine wirklich verrückte Sprache, das könnt ihr mir glauben. Statt es einfach normal zu schreiben :D Alle Lehrer der Schule sind Christen und äußerst offen und lustig. Der Eigentümer der Schule ist Brite, lebt aber schon seit einer halben Ewigkeit hier in Ägypten und arbeitet wohl auch für irgendeine große Kirche hier. Meine Sprachschule ist in Maadi, im Süden von Kairo. Bei nicht zu chaotischen Straßenverhältnissen brauchen wir zwischen 45min und einer Stunde um dorthin zu kommen. Die kleine Soraya geht dort in den deutschen Kindergarten und wenn ich nicht gerade in der Sprachschule bin, warte ich in einem Cafe und lerne oder laufe etwas durch die Nahe Umgebung. In Maadi fühlt man sich durchaus sicher, weil man dort an den Anblick von Ausländern gewöhnt ist. Maadi Maadi Maadi - Erinnerung an die gesperrten Straßen Wer wohnt da hinter Stacheldraht? Das Zeichen woran sich nieeemand hält. Maadi Beano's in Maadi - StammcafeSogar mit der Metro bin ich hier schon gefahren. Gar nicht so unmöglich, wie es immer gesagt wird! Auch in den Anfängen der Slums habe ich mich schonmal herumgetrieben. Davon gibt es allerdings keine Bilder. Ich hatte Angst, dass mich jemand haut, wenn ich Bilder mache. Wie dem auch sei – an Maadi kann man so gut wie überall sonst sehen, wie nah reich und arm beieinander liegt. Man stolpert ein paar Schritte aus einem guten Cafe und schon befindet man sich auf Märkten der Ärmsten. Kairo ist dreckig und der Geruch ist nirgendwo der Beste. Die Luftverschmutzung tut das ihre dazu. Und manchmal verzweifelt einem das Herz angesichts all der Armut und der scheinbar unlösbaren Müllprobleme, die diese Stadt besitzt. Überall am Straßenrand stehen Menschen und versuchen dir etwas zu verkaufen. Taschentücher, Lappen...einfach irgendetwas. Im Stau laufen Menschen durch die wartenden Autos und wollen sich mit Scheiben putzen etwas Geld verdienen. Bilder, die in Deutschland niemand kennt. In Deutschland wegzusehen ist so einfach. Hier geht das nicht und das ist für Deutsche wie uns, die wir aus einem derart behüteten Land kommen vielleicht gar keine schlechte Erfahrung.  Armut (Und wenn einen dieses Bild nicht berührt und entsetzt, dann weiß ich auch nicht. Mohandessin, mitten auf einer Verkehrsinsel, morgens um 9Uhr)

Das Essen!

Donnerstag, 07.11.2013

Während meines ersten Monats hier war auch Ramadan. Das Essen Ägyptens ist ein anderes Kapitel für sich. In Ramadan gibt es Frühstück um 7Uhr Abends. Jedenfalls heißt es Frühstück. Erlaubt ist man zu essen von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Also ca. von 7Uhr abends bis 3 Uhr morgens, was bedeutet dass es aaaaaaaall das wirklich fettige, köstliche, kalorienhaltige, viele Essen am Abend gibt. Nach einem groooooßen gemeinsem Abendbrot/Frühstück (Suppen, Salat, Aufläufe und soo viel mehr) gibt es die besten Süßigkeiten, denn die Fastenden brauchen den Zucker um den nächsten Tag zu überstehen....ich eigentlich nicht. Gegessen habe ich natürlich dennoch, wobei ich froh schmatzend locker 5 Kilo zugenommen habe, während der ersten beiden Monate. Denn nach dem Ramadan kam natürlich das Fest mit vielen leckeren Einladungen bei Freunden mit Toooorten. Die verschieden Gerichte hier sind einfach umwerfend genau wie das Obst. Wassermelone schmeckt hier so, wie bei uns der Melonenkaugummi. Ich liebe es! Nach 4 Monaten habe ich mich nun endlich an die verrückten Essenszeiten hier gewöhnt. Man ist früh bevor man aus dem Haus geht (7.30Uhr) und dann wenn man zurückkommt gegen 3 oder 4 Uhr. Und wenn man schlau ist lässt man eine weitere Mahlzeit einfach weg. Normalgewicht – ich schleiche mich an! ;)  Den Eat-Teil meiner Reise habe ich definitiv hinter mir!

Mein absolutes Lieblingsessen zum Frühstück ist Ful (eine Masse aus Bohnen mit Zwiebel, Tomaten und Knoblauch - und ja, ich weiß, wie es aussieht^^) und ägyptisches Brot.   Außerdem typisch ägyptisch: Koshari (Linsen, Nudeln, Zwiebeln, Reis) 

Die ersten beiden Monat - Einleben in Wunderland

Donnerstag, 07.11.2013

Ja, in 4 Monaten kann viel passieren und das ist es auch. Meinen ersten Monat hier und die Hälfte des zweiten Monats habe ich für 4 Wochen in „Long Beach“ am Mittelmeer verbracht. Wir sind nur einmal zurückgekommen für 3 Tage um Ahmeds Schwester und ihren Mann nach Kanada zu verabschieden – sie sind umgezogen und vermissen die Kinder sehr. Sie waren jedoch beide keine typischen Ägypter – pünktlich, akkurat und mochten keine Hitze...irgendwie im falschen Land geboren. Ich wünsche ihnen viel Glück in ihrem neuen Leben. Die ersten beiden Monate ist wirklich nicht viel Spektakuläres passiert. Ich habe mich an die Kinder gewöhnt und sie an mich und das Eis ist Woche für Woche mehr gebrochen und trotz anderer Erziehungswege und anderer Ansichten, die diese Kinder hier definitiv von deutschen Kindern unterscheiden, liebe ich Morad und Soraya von ganzem Herzen, auch wenn es einen manchmal an den Rand der Verzweiflung bringen kann. In dem Monat in „Long Beach“ habe ich die ganze Familie gut kennengelernt, weil sowohl Nadas Eltern ( meine Gastmama) als auch Ahmeds Eltern dort ihr Ferienhaus haben. In dem Haus von ihren Eltern schlafen auch oft Nadas Geschwister. Nora (die ältere Schwester) mit ihren beiden Töchtern Habiba (10) und Giselle (8), Hanna und Youssef (Die beiden jüngeren Geschwister von Nada). Auch die Cousinen von Nada samt Ehemännern schauen ab und an hier vorbei. Wir sind meist einfach viele Menschen und ich fühle mich vom ersten Moment lieb aufgenommen.  (Die coolste Uroma)   Die Tage in Long Beach verbringen wir natürlich am Meer, was einzigartig schön ist und was ich blauer noch nirgendwo gesehen habe  (Ich: „Ahmed! Als ich gerade im Wasser geschwommen bin sah der Himmel am Horizont, genau über dem Wasser lila aus! Ist das nicht komisch?“ Ahmed: „Das Wasser ist schon so blau, da kann der Himmel nicht auch blau sein – du kannst nicht alles haben!“). Die Wellen verleihen ihm einen einmaligen Charakter und machen das Schwimmen zu einem Abenteuer, was für die Kinder ab und an zu gefährlich war und Anfang September auch uns nicht mehr zumutbar wurde. Die Kraft des Meeres habe ich niemals so nah erlebt, wenn sich zornig eine Welle über deinem Kopf zur Faust ballt, kann einem der Atem schon mal kurz stehen bleiben. Ich genieße das Leben dort sehr, denn die Nächte verbringen wir oft zusammen. Aus ihnen resultieren Freundschaften, das Lernen von Poker und anderen Kartenspiele und viele mächtig lustige Gespräche. (Eines Abends spielten wir Tabu. Der Cousin von Ahmed Wael ist an der Reihe und versucht ein Wort zu erklären: „When people didn't saw each other for a long time, many of them, they are happy together! What is it what they do?“ „Meeting“ „Kissing“ „Hugs“ „Take of their clothes“ „Waving“ „Shaking hands“.....“An Orgy!“ Wael: „Yes! It's like an orgy but more polite!“.....natürlich kam niemand darauf dass DAS „Reunion“ sein sollte.) Alkohol gibt es immer egal ob am Strand oder am Abend. Was das Einzige ist, was mich wirklich überrascht. Eines Abend waren wir auch zu zehnt in einem Bauchtanzclub mit wirklich toller Livemusik und gutem Bauchtanz. Auch wir tanzen alle fröhlich und angetrunken neben unserem Tisch herum ( man nimmt tatsächlich seinen eigenen Alkohol hier mit in den Club) und ich bin nicht überrascht von der ausgelassenen, und fröhlichen Atmosphäre tanzender Menschen – wohl aber von den ENORM kurzen Röcken vieler Ägypterinnen. Es scheint wirklich: „Ich darf keine kürzeren Sachen tragen sagt ihr dummen Moslem Brüder? - Dann erst recht und in your face.“ Die Menschen sind lustig, ausgelassen und entspannt und ich vermisse diese Zeit mächtig. Denn obwohl Long Beach so wunderschön ist, ist dieser Ort nicht sehr bekannt und deshalb nicht überfüllt. Einfach zauberhaft. Hier lerne ich auch Ziad kennen, ein Freund von Nada und Ahmed, der auch für mich ein Freund werden sollte. 

Eindrücke: Sifa und Soraya Morad Nada und Soraya  Ahmed und Soraya die Beiden helfen mir meine Sachen von dem einen in den anderen Scharnk zu bringen ;)    Cousine Giselledie Fantastischen Vier! Habiba, Giselle, Morad und Soraya   das Haus in Long Beach Die ältere Schwester von Nada "Nora", Ziad und sein Neffe Karim beim Picknick 

"It's time for Africa"

Sonntag, 14.07.2013

Heute bin ich dann also tatsächlich nach Kairo aufgebrochen - allein. Leider konnte ich niemanden überreden mitzukommen. Das Abschied am Flughafen war chaotisch (nehmt die Bezeichnung 2 x 23kg bitte sehr ernst Zwinkernd) und wohl das schwerste, was ich je gemacht habe. Jedenfalls habe ich davor mächtig kalte Füße bekommen und wollte innerlich eigentlich gar nicht mehr gehen - schon gar nicht für ein Jahr.  Dementsprechend emotional fiel die ganze Sache aus. An dieser Stelle noch einmal tausend Dank für alle, die am Flughafen waren!

Entgegen aller Erwartungen war der erste Teil der Reise mit der Lufthansa von Dresden nach München furchtbar. Sie wollten offensichtlich schon einmal testen, wie ich mit Temperaturen Ägyptens klar komme. Es war heiß und stickig und auf dem kurzen Flug gab es mehr Turbulenzen, als bei einer ordentlichen Wildwasserfahrt. Kurz um: Mir war kotzübel und fiel auf, dass die Lufthansa auf kurzen Inlandsflügen keine Kotztüten mehr mit sich führt - mutig, mutig! Ich überstand den Flug schließlich doch brechfrei und schnappte in München glücklich nach Luft. Meine anderthalb Stunden Aufenthalt in München vergingen wie im Flug, weil mich diverse Anrufe gebührend ablenken und ich schnell 1,5l Wasser verschlinge. 

Im Egyptair Flugzeug dann erster Feindeskontakt!  Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Menschen angesichts der Unruhen nach Kairo wollen, das meiste jedoch Ägypter. Aber was der blonde Surferboy mit Barbiefreundin, Bermudashorts und Strohhut in Kairo will, kann ich mir beim besten Willen nicht zusammenreimen. Vor dem Start kommen nicht etwa als erstes Sicherheitshinweise, nein, sondern arabisches Gerede in dem mindestens 20mal das Wort "Allah" fällt (und mit einer Moschee im Hintergrund des Bildschirms)...mehr verstehe ich leider nicht. Ich bin nicht sicher, ob das was mit dem Flug zu tun hat. Die schließlich doch folgenden Sicherheitshinweise werden von zwei jungen arabischen Frauen vorgetragen, die kein Kopftuch tragen und ebenfalls westlich geprägt aussehen. Ich nehme es für mich als erste Indizien hin. Egyptair möchte nun das Gegenteil beweisen und demonstriert eindrucksvoll, wie sehr man ein Flugzeug herunterkühlen kann. Mein Halstuch kommt doch noch zum Einsatz.Bis auf eine Frau besteht die unerwartet große Bordcrew nur aus Männern. Einer fragt freundlich, während er mir die Visapapiere gibt, ob ich in Ägypten bleiben werde oder ob es nur ein Transit ist und als ich ersteres bejahe, freut er sich ehrlich. Ich stelle mir das Gegenteil vor, wie wenig begeistert und mürrisch ein deutscher Flugbegleiter schauen würde, wenn Araber in Deutschland einreisen und muss schmunzeln. Ich freue mich auf Ägypten!

Sogar kostenlose Kopfhörer gibt's hier und einen Film mit Niveau, dessen Anfang ich aber verpasst habe. (Ich möchte das Flugzeug deshalb auch so beschreiben: "Da, wo die Menschen gezwungen werden, auch den Abspann anzusehen" - es gibt kein entrinnen!) Auch eine ägyptische Tageszeitung gibt es für jeden, in der die Ägypter auch gleich ihren Sinn für Humor wieder beweisen.  Ich bin überwältigt von so viel Großzügigkeit und wähle sie dankend in Englisch, in der Hoffnung, dieses in Bälde zu verbessern. Also eins steht jedenfalls fest: besser dinniert habe ich in einem Flugzeug niemals. Es war mehr als nur lecker und statt Pappfraß AirBerlin like, gab es feines Essen, was sogar mit echtem (Stahl)Besteck zu essen war! 

Der Flug verläuft ruhig und langsam wird es dunkler um mich, bald bin ich da! 

Als der Landeanflug beginnt, säuselt es fröhlich aus den Lautsprechern, dass mich 30°C erwarten, worauf ich mich freue. Am Flughafen dauert alles etwas, verläuft jedoch reibungslos und ich kann nicht anders als zu strahlen, als ich meinen Gastvater direkt nach dem Ausgang entdecke. Er ist sehr nett und lustig und in einem deutschen BMW fühle ich mich doch gleich zuhause Zwinkernd Die Fahrt nach hause ist typisch ägyptisch, aber die Straßen sind aufgrund des Fastenbruchs um diese Tageszeit sehr leer und ruhig und wir können den direkten Weg durch die Stadt nehmen. Ahmed erklärt mir viel, worüber ich sehr dankbar bin und nimmt mir meine Aufregung. Als wir schließlich ankommen, bin ich überwältigt von dem wunderschönen Haus und auch von meinem schönen Zimmer mit Balkon. Nachdem ich dann auch meine Gastmutter kennengelernt habe - sie ist genau so lieb wie Ahmed - und wir ein bisschen geredet haben und sie mir einige Dinge gezeigt hat, verschwinde ich in meinem Zimmer mit dem Vorsatz zu schlafen, was natürlich nicht funktioniert und ich packe doch noch alle Koffer aus. Das Zimmer hat nun eine persönliche Note und ich fühle mich wohler. Hier nochmal tausend Dank an alle, die mir ein Stück Heimat mitgegeben haben! 

Ich bin angekommen.